MAUS im Gemeinschaftsgarten – Roos und Kalil

Hallo ihr Lieben,
in diesem  Sommer habe ich ganz viel wunderbare Zeit mit meinen neuen Freunden
aus Syrien im Gemeinschaftsgarten  in Hochheim verbracht!

14445549_1641716179451973_1034442864_n

Im Oktober haben wir dann ein tolles Herbstfest gefeiert! Dafür habe ich mir extra eine Geschichte
ausgedacht, die Geschichte von Roos & Kalil. Der Geschichtenbaum war so nett und hat sie an seinen Ästen für die Besucher des Festes bereitgehalten 🙂

14787550_1846757988891938_153337145_o
Dann kamen die Kinder und haben sich meine Geschichte angehört! 🙂
Sie hat ihnen gefallen, das fand ich ganz toll, es wurde mir ganz warm im Herz!

14729113_10210038434851142_6095517880456599007_n
Ihr habt die Geschichte verpasst? Wie traurig… 🙁
Ich erzähle sie euch einfach hier! Und zeige euch die wunderschönen Illustrationen von Sophie!
Und schon geht’s los:

Roos & Kalil“ oder „Die neuen Freunde sind wunderbar!“

von MAUS Weimer

bild-1-herbert-und-blaetter-klein
Die Sonne glitzert durch die letzten Blätter der großen Eiche und malt mit ihren Strahlen helle Flecken auf das aufgetürmte Laub zu ihren Füßen. Es ist nahezu still, nur das Krächzen eines einzelnen Eichelhähers unterbricht das leise Rauschen des Windes.
Herbert, der Igel, verlässt seinen Blätterhaufen am Rand der Hecke auf der Suche nach den letzten Beeren im Garten. Fröhlich tapst er mit seinen kleinen Pfoten durchs Gelände. Im Frühling war hier noch alles ganz wild gewachsen, aber seit dem Sommer hatte sich viel verändert. Menschen, die lauter verschiedene Sprachen sprechen, kamen und mähten das hoch gewachsene Gras kurz und stellten zunächst für
Herbert sehr mysteriöse Kisten auf.
Er hatte sie gleich inspiziert, als die Menschen wieder weg waren und konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wozu sie gut sein sollten. Doch sie kehrten bald zurück und Herbert beobachte sie aus sicherer Entfernung dabei, wie sie erst Äste und dann verschiedene Erden in die Kisten füllten. Schließlich setzten sie auch junge Gemüsepflanzen ein.
Herbert lief das Wasser in seinem kleinen Mäulchen zusammen, wenn er an die Ernte dachte, die da
heranreifen würde. Leider waren die Pflanzen für ihn unerreichbar, denn die Kisten waren viel zu hoch für ihn und zu glatt, um daran hoch klettern zu können. Herbert fand das sehr enttäuschend!

Doch dann kamen nahezu täglich zwei der Männer zurück und legten auch Gemüsebeete in der Erde an. Da wurde Herbert ganz warm ums Herz. Überhaupt schienen die Menschen sehr nett zu sein, sie kamen oft abends für Stunden in den Garten, saßen gemütlich zusammen, redeten mit Händen und Füßen miteinander und lachten sehr viel.
Einmal gab es sogar ein Fest, an dem auch viele Kinder als Gäste kamen, die mochte Herbert besonders gerne, weil sie so große neugierige Augen hatten und so fröhlich kicherten.
Nun ist es kühler geworden und die Menschen kommen seltener. So schön es für Herbert und seine Freunde gewesen war, sie bei ihrem Treiben aus sicherer Entfernung zu beobachten, so gut ist es jetzt, dass sie aus ihren Verstecken kommen können, um die letzte wärmende Spätsommersonne zu genießen und Nahrung zu finden. Herbert braucht ja eine dicke Fettschicht für seinen Winterschlaf!
So tapst Herbert also fröhlich vor sich hin, als er plötzlich hört, wie sich das Gartentor quietschend öffnet. Er versteckt sich schnell hinter einem der Hochbeete, lugt aber vorsichtig um die Ecke, denn er ist sehr neugierig. „Was macht denn ein Postbote im Gemeinschaftsgarten?“ fragt er sich „Und was ist in der Kiste, die er da auf den Gartentisch gestellt hat?“ Er sieht noch wie der Postbote über die seltsame Adresse den Kopf schüttelt und mit den Schultern zuckt, dann aber wieder aus dem Garten flitzt, denn er hat noch ganz viele Pakete in seinem Auto zum Ausliefern und muss sich beeilen.
Neugierig tapst Herbert näher. Als er am Tisch ankommt, hört er ein Rascheln in der Kiste und leise
Stimmen.
„Sind wir da?“ fragt gerade ein zartes Stimmchen und dann hebt sich der Deckel.
„Lass‘ mich auch mal gucken!“ hört Herbert und dann sieht er die Gesichter von zwei Blumenzwiebeln,
die über den Rand der Kiste blicken.

„Deutschland sieht genauso aus, wie bei uns zu Hause, Roos!“ sagt die eine Blumenzwiebel zur anderen und die erwidert traurig: „Ja Marten, aber es riecht hier so gar nicht mehr nach dem Meer.“
Marten legt die Hand über seine Augen, damit die tiefstehende Sonne ihn nicht blendet und ruft:
„Guck‘ mal! Da sind lauter Bäume! Da dürfen wir bestimmt in die Erde!“ Er dreht sich um und ruft unten in die Kiste: „Leute, hier ist es klasse! Das wird bestimmt ein Spaß hier im nächsten Frühling zu blühen!“

„Dürfen in die Erde?“ murmelt Roos neben ihm. „Du meinst wohl eher müssen. Und der Winter wird schrecklich lang und dunkel und kalt da unten sein. Und so ganz anders als zu Hause.“ „Ach Roos, nun mach‘ dir doch nicht gleich wieder solche Sorgen!“ ruft Marten und lässt sich wieder zurück in die Kiste plumpsen.
„Jaja“, denkt Roos etwas ärgerlich. „Du hast ja immer die Ruhe weg! Und deine Familie ist mit dir
zusammen hergekommen“ und klettert aus der Kiste, um sich erst mal umzusehen.
Sie tapst über den Tisch und ihr Blick fällt auf mehrere Birken und Obstbäume.
Die könnten tatsächlich ein schönes neues Zuhause bieten.

„Aber wer weiß, was für Gefahren in Deutschland lauern?“
denkt sie. „Ob es hier wohl wilde Tiere gibt? Ich habe von grausamen borstigen Riesenschweinen gelesen, die mit ihren Schnauzen die Zwiebeln aus dem Boden schaufeln und einfach auffressen!“
Bei dem Gedanken zittert sie ganz fürchterlich, obwohl sie in der wärmenden Sonne sitzt. Dann fasst sie etwas neuen Mut und beugt sich vorsichtig über die Tischkante.

bild-2-roos-und-herbert
Sie entdeckt Herbert, der ja unten im Gras sitzt und erschreckt ganz fürchterlich. Ängstlich fragt sie: „Wer bist du? Magst du Blumenzwiebeln?“
„Ja, sehr gerne!“, antwortet Herbert.
Roos wird jetzt von Angst geschüttelt.

„Zum Fressen?“ fragt sie.
„Nein!“ lacht Herbert. „Zum Blühen! Ihr seht dann so toll aus und bringt uns die ersten fröhlichen Farben im Frühling!“
„Puh!“ atmet Roos auf und lacht dann auch.
Herbert lächelt zu ihr hoch und fragt: „Wo kommst du denn her? Hier ist noch nie ein Paket angekommen.“

„Meine Freunde und ich kommen aus den Niederlanden. Aus Julianadorp am Meer.“
„Oh, das Meer, davon habe ich schon gehört. Ist es wirklich soooo groß?“
„Bis ans Ende der Welt“, strahlt Roos und breitet dabei ihre Blumenzwiebelärmchen so weit wie möglich auseinander.
„Das mag ich auch mal sehen!“ ruft Herbert sehnsuchtsvoll hoch zu ihr.
„Wie heißt du denn?“
„Roos, und du?“
„Herbert“, und dann fügt er feierlich hinzu: „Herzlich Willkommen, Roos aus den Niederlanden! Soll ich dir mal den Garten zeigen?“
„Hmm“, zögert Roos etwas „Ist der gefährlich?“
„Nö, so weit ich weiß nicht und ich wohne schon ganz lange hier. Los komm‘ schon!“ erwidert Herbert und strahlt sie auffordernd an.
„Okay, ich komme!“ ruft Roos lächelnd und lässt sich erst auf den am Tisch stehenden Korbsessel und dann zu Herbert ins Gras plumpsen.
Zusammen tapsen sie zuerst zu einem der großen Bäume.

„Guck‘ mal Roos“, erklärt ihr Herbert. „Hier liegen noch ein paar von den leckeren Eicheln, die uns die
Eiche in jedem Herbst schenkt. Die schmecken köstlich! Emma, Konrad und ich fressen sie für unser
Leben gern!“
Gerade will Roos ihn fragen, wer das denn sei, als plötzlich vor ihnen ein rotbraunes Eichhörnchen und ein bunter Eichelhäher auftauchen. Roos erschreckt und versteckt sich schnell hinter Herbert. Der würde sie mit seinen vielen Stacheln verteidigen können hofft sie.

bild-3-roos-herbertemma-und-konrad
Du musst keine Angst haben“, sagt das Eichhörnchen freundlich. „Ich heiße Emma und dieser nette Vogel hier ist Konrad, wir sind Herberts beste Freunde.“ Roos sieht prüfend von einem zum anderen und traut sich schließlich hinter Herberts Rücken hervor. „Hallo, ich bin Roos“, sagt sie noch etwas schüchtern, aber lächelnd.
„Hallo Roos“, krächzt Konrad. „Ziehst du bald bei uns ein?“
„Ja, ich denke schon. Die Menschen vom Gemeinschaftsgarten haben uns Blumenzwiebeln alle
eingeladen bei ihnen zu leben.“

„Toll!“ freut sich Konrad. „Dann haben wir im Frühling ja nicht nur neues Gemüse und Obst, sondern auch wunderschöne Blumen! Kennst du schon die
Gemüsezwiebeln, sie sind auch vor kurzem angekommen und sollen bald in die Erde einziehen.“

„Nee“, antwortet Roos. „Der Postbote hat uns ja gerade erst gebracht.“
„Na, die musst du unbedingt kennenlernen!“ ruft Emma, das Eichhörnchen. „Komm‘ mit!“
Sie hüpft sogleich begeistert voraus und ihr buschiger Schwanz wippt dabei fröhlich hin und her. Roos und Herbert laufen so zügig wie es ihnen mit ihren kurzen Beinchen möglich ist, hinter ihr her. Konrad schwingt sich in die Lüfte und begleitet sie von oben.
Sie erreichen ein Beet wo sich gerade viele gelbe, braune und weiße Zwiebeln ein Plätzchen für den
Winter in der Erde aussuchen. Ein wildes, aber fröhliches Durcheinander von Stimmen erfüllt diesen Teil des Gartens. Roos sieht sich staunend um. Bei ihr zu Hause bekam jede Zwiebel ihren Pflanzplatz
zugewiesen, da gab es kein Aussuchen und keine Diskussionen. Die große Pflanzmaschine hatte das
Sagen und basta!
Sie dreht sich zu ihren neuen Freunden um und will gerade davon erzählen, da verabschieden sich diese von ihr: „Du, wir müssen uns jetzt mal eine Zeitlang um unsere Wintervorräte kümmern!
Du bist ja hier in guten Händen.“ „Bis später!“ rufen sie noch winkend und trippeln, hüpfen und fliegen
davon. Roos fühlt sich plötzlich wieder ganz schrecklich alleine. So weit weg von ihrer Familie in Holland und nun unter lauter Gemüse- statt Blumenzwiebeln. Die sind ja schon anders, oder?
Sie lehnt sich etwas abseits vom Beet an einen Stein und beobachtet die Zwiebeln und Knoblauchzehen bei ihrem Treiben.
Da hört sie mit einem Mal ein Schluchzen und dreht sich um. Hinter einem Grasbüschel sitzt eine dicke Knoblauchzehe und weint bitterlich. Unaufhörlich laufen ihr die Tränen über das Gesicht.

bild-4
Roos geht vorsichtig zu ihr und sagt leise: „Hallo, ich bin Roos. Wer bist du und was ist dir passiert?“ Der Knoblauch sieht langsam zu ihr auf und mit dicken Tränen in seinen dunklen Wimpern flüstert er: „Ich heiße Kalil und ich habe Angst.“
„Vor wem?“ fragt Roos und sieht sich besorgt um.
„Vor dem Winter“, flüstert Kalil und weiter: „Und vor der Dunkelheit in der Erde. Da sehe ich ja nicht mehr was oben an der Luft passiert.“
Er schnüffelt ein bisschen und sieht sie prüfend an. „Lachst du jetzt auch? So wie die anderen
Gemüsezwiebeln?“
„Die Gemüsezwiebeln haben dich ausgelacht?“ entrüstet sich Roos wütend. „Naja, nicht alle, aber einige schon“, räumt Kalil ein.
„Sie haben gesagt, dass jetzt alle Zwiebeln hier in die Erde müssen, auch ich, und dass wir hier sicher sind. Aber woher soll ich wissen, ob das die Wahrheit ist?“
„Was macht dir denn dabei so große Sorgen?“ fragt Roos mitfühlend.
„Weißt du, ich komme aus einem Land das noch vor Jahren wunderschön war. Aber jetzt ist da schon seit langem Krieg und kaum noch ein Stein steht auf dem andern. Und dauernd fallen Bomben, die riesige Löcher in die Erde reißen. Und wenn du das Flugzeug nicht sehen kannst, das die Bomben bringt, dann kannst du nicht wegrennen…“
„Aber hier ist doch kein Krieg. Hier bist du bestimmt sicher, meinst du nicht?“ versucht Roos ihn zu trösten.
„Ja, noch!“ ruft Kalil. „Aber der Winter ist lang und während wir da unten im Dunklen schlafen, kann viel passieren! Hast du keine Angst vor dem Einpflanzen?“
„Doch, schon ein bisschen“, gibt Roos zu. „Aber nur weil hier alles so neu ist und ich so Heimweh habe und mich alleine fühle. Und ich bin nicht so gerne im Dunklen.“
„Du verstehst mich also!“ strahlt Kalil und wischt sich die Tränen aus seinen Augen.
„Ja, ich verstehe dich gut. Die anderen Blumenzwiebeln machen sich auch nicht so viele Gedanken wie ich“ antwortet Roos „Aber ich habe gerade eben hier sehr nette Tiere getroffen!“
„Oh! Nette Tiere?“ fragt Kalil neugierig. „Wo sind sie?“
Gerade als er es ausgesprochen hatte, kommen Herbert, Emma und Konrad zurück.
„Da seid ihr ja wieder!“ freut sich Roos. „Ich möchte euch Kalil vorstellen.“
Die drei Freunde rücken näher und begrüßen den Knoblauch freundlich.
„Hast du geweint?“ fragt Emma das Eichhörnchen besorgt und Herbert fügt hinzu: „Magst du uns von
deinen Sorgen erzählen?“ Da berichten erst Kalil und dann auch Roos ihnen von ihren Besorgnissen und Ängsten.
„Hmm, verstehe!“ murmelt Konrad, der Eichelhäher als erster und reibt sich das Kinn mit seinem Flügel. „Ich bin ja den ganzen Winter wach, aber auch immer mal unterwegs – Aber wenn ich hier bin, dann kann ich gerne nach euch und eurem Pflanzort sehen.“
Emma fällt gleich ein: „Und ich halte ja nur Winterruhe. Da hüpfe ich immer mal wieder durch den Garten um etwas aus meinen Vorräten zu naschen. Ich gucke dann auch gerne nach euch. Das machen wir mit Herbert auch schon seit Jahren so.“
„Das stimmt!“ strahlt Herbert. „Seitdem kann ich über den Winter viel besser schlafen! Weil ich weiß, dass ich draußen Freunde habe, die mit auf mich aufpassen. Wie wäre es, wenn ihr euch in der Nähe von meinem Blätter- und Ästehaufen eingraben lasst. Dann wären wir alle zusammen!“ Roos bekommt jetzt auch feuchte Augen, so freut sie sich über die lieben Angebote der neuen Freunde. Kalil strahlt auch begeistert und steckt alle damit an.
Vielen Dank!“ sagt er lächelnd. „Die Idee ist wunderbar! Roos, wollen wir uns dann einen Pflanzplatz bei Herbert teilen?“ Roos antwortet glücklich: „Gern! Jetzt ist mir schon viel leichter ums Herz, mit euch an
meiner Seite!“ Ruckzuck planen sie, wo Kalil und Roos in die Erde einziehen wollen.

bild-5
„Und jetzt zeigen wir euch noch den restlichen Garten!“ ruft Emma und hüpft wieder begeistert voraus. Konrad und Herbert nehmen Roos und Kalil in ihre Mitte.
Konrad legt einen Flügel um Kalil und fragt: „Erzähl‘ mal. Wie ist es denn so in deiner Heimat? Gibt es da auch Bäume mit leckeren Eicheln…?“ – und so schlendern sie fröhlich in der Sonne durchs Gras und
freuen sich einander gefunden zu haben.

– Ende –

Hoffentlich hat euch meine kleine Geschichte gefallen 🙂
Roos und Kalil sind jetzt tatsächlich im Gemeinschaftsgarten in der Erde und schlafen dort beruhigt in der Nähe von Herbert und seinem Blätter-und-Zweige-Haufen. Ich freue mich schon sehr sie im Frühling wiederzusehen und werde bald mal nach dem Rechten sehen gehen!

Und wenn ihr jetzt ganz neugierig auf den tollen Gemeinschaftsgarten geworden seid, findet ihr hier mehr: Gemeinschaftsgarten-Facebookseite

Bis bald mein Lieben! Eure MAUS

14874959_1850566608511076_2013199385_n

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.